DER GRÜNE GIGANT
DIE WEGWEISENDE ZELLSTOFFFABRIK VON SUZANO IN BRASILIEN
Die weltweit größte Zellstofffabrik mit nur einer Produktionsanlage verwandelt Holz in Zellstoff und erneuerbare Energie. Damit setzt Suzano neue Maßstäbe für nachhaltige Produktion.
Im mittleren Westen von Brasilien hat Suzano Papel e Celulose – das größte Zellstoff- und Papierunternehmen Lateinamerikas – eine neue Fabrik in Betrieb genommen, deren Rohstoff zu 100% aus gepflanzten Eukalyptusbäumen stammt. Das Werk verarbeitet Holz zu Zellstoff und erzeugt dabei einen Überschuss an Strom für das brasilianische Stromnetz. Das Herzstück dieser Anlage ist die fortschrittliche Verarbeitungstechnologie von ANDRITZ.
Die weltweit größte Zellstofffabrik mit nur einer Produktionsanlage verwandelt Holz in Zellstoff und erneuerbare
Energie. Damit setzt Suzano neue Maßstäbe für nachhaltige Produktion.
Das Werk von Suzano wurde von Grund auf neu und somit möglichst effizient gebaut. „Bei einem Neubauprojekt wie diesem können wir die besten Technologien am Markt mit einem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit einsetzen“, erklärt Mauricio Miranda, Director of Engineering von Suzano, der für die Umsetzung des Projekts verantwortlich war.
Das Werk rund um eine einzige Zellstofflinie mit einer jährlichen Produktionskapazität von 2,55 Millionen Tonnen ist das
weltweit größte seiner Art. Die Fabrik wird vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben und liefert einen Überschuss von 180 MW für das nationale Stromnetz. „Damit könnte eine Stadt mit zwei Millionen Einwohnern mit rund 1,5 Terawattstunden Strom versorgt werden“, erklärt Tommi Voutilainen, Executive Vice President für Pulp & Power bei ANDRITZ.
Ebenso bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der sich das Werk als zuverlässiger, hochwertiger Produktionsstandort etabliert hat. Die geplante Tagesproduktionskapazität wurde nur 87 Tage nach Inbetriebnahme
im Juli 2024 erreicht, wobei bereits 95,3% des fertigen Zellstoffs den Qualitätsstandards für den Markt entsprachen.
Ein weiterer Meilenstein wurde Anfang 2025 gesetzt, als die Produktion der Fabrik ihre erste Million Tonnen Zellstoff erreichte.
Der Schlüssel zu diesem Erfolg sind das Know-how und die Erfahrung von ANDRITZ. Wir lieferten eine äußerst ressourceneffiziente Zellstoffanlage mit führenden Technologien für Faserproduktion und Chemikalienrückgewinnung.
Der Lieferumfang umfasste eine komplette Holzverarbeitungsanlage, die weltweit größte Faserlinie, ein komplettes Zellstofftrocknungssystem, eine energieeffiziente Eindampfanlage für Schwarzlauge, einen Rückgewinnungskessel, einen Biomassekessel sowie eine komplette Weißlaugenanlage. Zur Verbesserung der Umweltbilanz lieferte ANDRITZ auch Gasifizierungsanlagen, die einen fossilfreien Betrieb der Drehrohröfen ermöglichen, sowie eine SulfoLoop-Schwefelsäureanlage. So wird Schwefel aus Abfallströmen zurückgewonnen, und das Werk kann sich selbst mit Schwefelsäure versorgen.
Das neue Werk ist außerdem mit einem der umfassendsten Automatisierungs- und Digitalisierungspakete in der Branche
ausgestattet und setzt so auch in puncto Autonomie einen neuen globalen Maßstab.
UNKONVENTIONELLER ANSATZ
Der Bau des Werks von Suzano war eine Meisterleistung der Koordination. Durch den Krieg in der Ukraine waren die globalen Lieferketten unterbrochen, wodurch es zu Verzögerungen bei Lieferungen kam. Um den Zeitplan dennoch einzuhalten, entschieden sich Suzano und ANDRITZ für einen ungewöhnlichen Schritt. „Wir haben die Schiffe, die Suzano normalerweise für den Zellstofftransport einsetzt, für den Transport wichtiger Ausrüstung aus Asien umfunktioniert, damit das Projekt planmäßig fortgesetzt werden kann“, erzählt Miranda von Suzano.
„Es war ein eher unkonventioneller Ansatz, der die Anpassungsfähigkeit und das Engagement von ANDRITZ und unserem Team unterstreicht. Gemeinsam haben wir alles daran gesetzt, den Zeitplan einzuhalten, egal welche externen Herausforderungen auftraten.“
Eine noch größere Herausforderung bestand darin, die richtigen Personen zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen. Das Werk liegt nicht im Umkreis einer größeren Stadt und benötigt viele qualifizierte Arbeitskräfte – sogar noch mehr, um die Anlage überhaupt zu errichten. Am Höhepunkt der Montage arbeiteten rund 11.000 Menschen auf der Baustelle zusammen – die Belegschaften von Suzano und ANDRITZ sowie externes Personal von Sublieferanten. Anfangs war es jedoch schwierig, Arbeitskräfte für die Region zu finden.
„Aus diesem Grund investierten wir 75 Millionen Reais (ca. zwölf Millionen Euro) in die kommunale Infrastruktur und bauten die lokale Gesundheitsversorgung sowie soziale Dienste aus“, so Miranda. Mit dem Geld wurden neue medizinische Einrichtungen, ein Krankenhausflügel sowie soziale Dienste finanziert, die auf die lokalen Bedürfnisse eingehen.
„Das Projekt hatte durchwegs positive Auswirkungen und schuf Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten in der Region. Deshalb hat die örtliche Gemeinde das Projekt so unterstützt und es als Motor für die regionale Entwicklung gesehen“, ergänzt Miranda.
Suzano betrachtet diese Investitionen als ebenso wichtig für den Erfolg des Projekts wie das Werk selbst, da sie die Infrastruktur vor Ort stärken und die Belegschaft unterstützen. „Wir haben damit nicht nur behördliche Auflagen erfüllt, sondern auch eine wesentliche Voraussetzung für ein nachhaltiges Umfeld für Tausende von Arbeitskräften und Anwohnern geschaffen“, sagt Miranda.
EINDRUCKSVOLLE ANLAUFKURVE:
- Ende Dezember 2024 überstieg Suzanos durchschnittliche Tagesproduktion an gebleichtem Kraftzellstoff die geplanten 7.203 Tonnen an 30 Tagen in Folge.
- ANDRITZ lieferte auch eine SulfoLoop-Schwefelsäureanlage, die im Jänner 2025 die volle Kapazität erreichte. Durch die Rückgewinnung von Schwefel aus den Nebenströmen wird das Werk vollkommen autark bei der Schwefelsäureversorgung
SCHULUNG DES PERSONALS
Suzano investierte in intensive Schulungsprogramme, um die Arbeitskräfte mit den modernen Systemen der Fabrik vertraut zu machen. „Für jeden Bereich des Betriebs stellten wir einen Prozesssimulator zur Verfügung“, erklärt Miranda. „Dieser Simulator ist besonders wichtig, weil er die Qualität des Lernens verbessert. Unser Team trainierte fast ein Jahr mit diesen Simulationen und lernte dabei, die Leistung zu optimieren und den Wartungsbedarf vorherzusehen.“
ANDRITZ-Experten schulten das Betriebspersonal von Suzano in der Praxis und vertieften dabei wichtige Fähigkeiten. „Es ist eine Sache, im Klassenzimmer zu lernen, aber etwas völlig anderes, wenn man reale Bedingungen simuliert“, so Miranda.
Dank dieser Vorbereitungen konnte das Team von Suzano vom ersten Tag an die volle Produktionseffizienz erreichen.
NEUE MASSSTÄBE IN PUNCTO NACHHALTIGKEIT
Dank der Technologien von ANDRITZ erreicht Suzano ein bisher nie dagewesenes Maß an Effizienz. „Wir setzen bewährte Technologien ein, aber mit höheren Standards und strengeren Kontrollen“, so Miranda. Damit übernimmt die Fabrik von Suzano eine Führungsrolle in der nachhaltigen Zellstoffproduktion und setzt neue Maßstäbe in der Branche. „Da wir unseren gesamten Strom selbst erzeugen, sind wir energieautark und können unsere Überschüsse sogar ins brasilianische Netz einspeisen“, fügt er hinzu.
Nach Ansicht von Miranda wird dieses Projekt auch Vorbildwirkung für andere Anlagen haben. „Meiner Meinung nach kann man ein solches Werk nicht besser bauen“, meint er. Effizient. Emissionsarm. Konzipiert für möglichst wenig Abfall.
„Unser Ziel ist es, dieses Modell in anderen Regionen nachzubilden, vor allem dort, wo nachhaltige Infrastruktur noch in den Kinderschuhen steckt“, unterstreicht er. „Es geht um Wachstum, aber nicht auf Kosten der Umwelt. Dieses Projekt zeigt einen neuen Weg auf – für Suzano und die gesamte Branche.“

Suzanos hochmodernes Zellstoffwerk in Brasilien mit ANDRITZ-Technologien zur Faserproduktion und Chemikalienrückgewinnung, einschließlich der weltweit größten Faserlinie
© Suzano